Aktuelle Veranstaltungen und Fortbildungen des Landesverbandes

 

 Hier unsere Fortbildungen in 2022

 

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Ein geringer Unkostenbeitrag ist ggf. vor Ort in bar zu entrichten. 

 

 

Thema 1        : Leben in der Pflege- und Adoptivfamilie

 

                 „Die Bedeutung von Träumen“

 

     Datum / Ort  :  25.02.2023 in Sömmerda

 

     Uhrzeit         :  10.00 Uhr bis 16.00 Uhr

 

     Referent       : Martin EL Assil Hirsch

 

 

 

Inhalt:

 

 

 

Nachts verarbeiten Gehirn und Seele das am Tag Erlebte. Es können lustige Träume sein, wo man sogar von seinem eigenen Lachen aufwacht, Wünsche können in Träumen verarbeitet werden aber es können auch Albträume den Schlaf erschweren.

 

 

 

Wenn das häufig zu Albträumen bzw. unruhigen Schlaf führt, sollte man die Ursache abklären.

 

 

 

Dabei ist ein Albtraum in den seltensten Fällen die Reaktion auf einen Horrorfilm im Fernsehen oder auf Katastrophenmeldungen in den Nachrichten. Auch der Vollmond ist als Ursache nicht wissenschaftlich überführt.

 

Albträume haben immer etwas mit uns selbst zu tun. Diese Träume spiegeln auf verfremdete Art Ängste aus unserem Alltag oder sich vertiefende chronische Ängste bzw. erlebte Traumatisierungen wider.  

 

Aus Albträumen lässt sich gut schließen, was einen belastet oder stark beschäftigt. Es lohnt sich daher schon, über einen Albtraum nachzudenken da Träume im Prinzip die Lebenssituation beleuchten und sie ermöglichen der Psyche ein Warnsignal zu senden.

 

 

 

Dass Albträume aber auch nach dem Aufwachen in den Tag hineinhallen, hat damit zu tun, dass Betroffene sie nicht in der Tiefschlafphase, sondern in der REM-Phase erleben. Hier sind die Muskeln zwar entspannt, aber das Gehirn ist so aktiv wie im Wachzustand. Deshalb nehme man die starken Emotionen auch so intensiv wahr. Wenn man dann aufwacht, erscheint der Traum fast real und erzeugt im ersten Moment Angst und Panik.

 

Ein schlimmer Traum bleibt im Gedächtnis gespeichert, manchmal über Tage hinweg. Manchmal wiederholt er sich sogar. Falls das häufiger vorkommt, kann darunter die Lebens- und oft auch die Schlafqualität des Betroffenen leiden.

 

Besonders anfällig für Albträume seien kreative Menschen, aber auch emotional Labile oder solche mit Depressionen oder Angststörungen.

 

 

 

So fanden Schlafforscher Hinweise, dass natürliche Geräuschkulissen wie Vogelzwitschern, Regen oder Meeresrauschen beim Einschlafen für positive Träume sorgen können und zeigen in Versuchen, dass auch Gerüche Träume beeinflussen können.

 

 

 

 

 

Pflege- bzw. Adoptivkinder haben meist schon vor der Geburt ungünstige Erfahrungen gemacht. Ihr Urvertrauen wurde erschüttert und traumatisierende Situationen forcieren Angst vor dem Schlaf bzw. das Durchleben von Angsträumen. Kinder wollen daher nicht allein schlafen, zögernd das Zubettgehen heraus oder begegnen dem Schlafengehen mit Aggression.

 

 

 

Diese Familienbildung soll Pflege- und Adoptivfamilien für Träume sensibilisieren und ein Ratgeber für Einschlafrituale, für die Beruhigung in der Nacht bzw. Methoden für das gemeinsame Auswerten der Träume und bei der Verarbeitung der nächtlichen Angst an die Hand geben.

 

 

 

Zu Beginn der Familienbildung werden die Fragen der Teilnehmer gebündelt und fließen in das Referat ein.

 

 

 

Herr Martin EL Assil Hirsch wird Literaturhinweise, zum Vertiefen des Themas, geben.

 

 

 

Zielgruppe:   Pflege- und Adoptivfamilien, unmittelbare Angehörige der    Pflege- und Adoptionsfamilien, alle am Thema Interessierte

 

 

 

  

 

 

Thema 2        : Leben in der Pflege- und Adoptivfamilie

 

                 „Alltag mit ADS / ADHS“

 

     Datum / Ort  :  25.03.2023 in Meiningen

 

     Uhrzeit         :  10.00 Uhr bis 16.00 Uhr

 

     Referent       : Martin EL Assil Hirsch

 

 

 

 

 

Inhalt:

 

 

 

Umgangssprachlich gesehen ist ADS, das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, ist sozusagen der kleine Bruder des ADHS (= Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung bzw. Syndrom). Menschen mit ADS sind unkonzentriert und unaufmerksam, leiden aber nicht an der hyperaktiven Verhaltensauffälligkeit.

 

 

 

Diese Familienbildung wird die medizinischen Fakten erläutern aber im Vorrang Fragen der Teilnehmer sammeln und in den Fortbildungstag einfließen lassen.

 

 

 

Aufmerksamkeitsstörungen zeigen sich in allen Lebensbereichen durch:

 

·         Grosse Ablenkbarkeit

 

·         Mangelnde Konzentration, zeichnet sich auch aus durch Flüchtigkeitsfehler, mangelnde Geduld für Genauigkeiten (z.B. beim Basteln, Spielen etc.).

 

·         Abbrechen von Tätigkeiten und immer wieder neues Anfangen von andern Tätigkeiten.

 

·         Unfähigkeit, vorgegebene Aufgaben in der Schule auszuführen oder Regeln einzuhalten.

 

·         ADHS-Kinder haben häufig Mühe mit Strukturen; sie verlieren, verlegen, vergessen.

 

Fehlende oder mangelnde Impulskontrolle (Hyper-Impulsivität) zeigt sich durch:

 

·         Handlungen ohne vorheriges Nachdenken

 

·         Große Ungeduld

 

·         Häufiges Dreinreden, lautes und unkontrolliertes Reden, häufiges Wechseln der Themen

 

·         Schlechtes Integrieren in Gruppen (Kind muss immer auffallen, laut werden, unterbricht ständig andere Gespräche)

 

·         Stören von familiären oder schulischen Abläufen

 

·         ADHS-Kinder fühlen sich sehr schnell bedroht, reagieren entsprechend häufig aggressiv

 

·         Heftige Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, neigen zu Wutausbrüchen

 

·         Geringe Frustrationstoleranz: sie reagieren auf geringfügige Kritiken oder Vorfälle viel zu heftig.

 

Übersteigerte Aktivität (Hyperaktivität) zeigt sich durch:

 

·         Extrem starken Bewegungsdrang: fuchteln mit Händen und Füssen, Unfähigkeit, ruhig zu sitzen (Kinder sind ständig in Aktion).

 

·         Mühe haben mit Stille, ihr Tun und ihre Spiele sind meistens sehr laut.

 

Zusätzliche Beschwerden und Symptome:

 

Etwa ein Drittel mit einem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom weist nebst den Hauptsymptomen noch andere Begleiterscheinungen auf. Die häufigsten sind:

 

·         Beziehungsunfähigkeit

 

·         Mangelndes Selbstbewusstsein, Schuldgefühle (ich schaff das nicht!)

 

·         Motorische und sprachliche Schwierigkeiten

 

·         Visuelle und das Gehör betreffende Wahrnehmungsstörungen

 

·         Entwicklungs- und dadurch Leistungsdefizite

 

·         Lern-, allenfalls geistige Behinderungen

 

·         Tic-Symptome (ev. Tourette-Syndrom)

 

·         Psychische Störungen (depressive Stimmungen, Angststörungen, extremes Trotzverhalten)

 

Es können aber auch Bauchschmerzen, Kopfschmerzen und Reizbarkeit auftreten.

 

 

 

Medikation muss immer mit nichtmedikamentöse Maßnahmen kombiniert werden :

 

·         Eltern- und Familientraining, ev. Familientherapie

 

·         Aufklärungen und Interventionen in der Schule, Kindergarten, ev. Unterbringung des Kindes in einer Sondereinrichtung

 

·         Verhaltenstherapie des Kindes/Jugendlichen z.B. mit Selbststrukturierungstraining

 

·         Behandlung von begleitendenden Störungen oder Krankheiten, ev. Psychotherapie, Lern- und Entwicklungstraining

 

 

 

Die Familienbildung soll klären, dass die Hyperaktivität und die fehlende Aufmerksamkeit nicht auf eine Ursache festlegt werden kann, es handelt sich um ein komplexes Zusammenwirken von verschiedenen Faktoren.

 

Dabei spielen neurobiologische - und Stoffwechsel- sowie Funktions-Störungen eine Rolle.

 

Psychosoziale Einflüsse können als alleinige Ursache bei einem ADHS ausgeschlossen werden. Negative Erfahrungen (eine schwere Kindheit, Traumen etc.) können allerdings den Schweregrad und den Verlauf der Erkrankung beeinflussen.

 

Daher ist es enorm wichtig abzuklären, handelt es sich überhaupt um ADS / ADHS oder ist das Verhalten auf die Gründe der Herausnahme aus den leiblichen Familien unserer uns anvertrauten Kinder zurückzuführen.

 

 

 

Der Referent kann hier durch praktische Erfahrungen eine Hilfestellung geben.

 

 

 

 

 

 

 

Zielgruppe:   Pflege- und Adoptivfamilien, unmittelbare Angehörige

 

                     alle am Thema Interessierte

 

 

 

 

 

 

Thema 3      : Leben in der Pflege- und Adoptivfamilie

 

                   „Seelische Gesundheit von Pflege- und Adoptiveltern – 

 

                    Beziehungsstabilität für die Kinder durch
                    Selbstreflexion und Selbstfürsorge“

 

Datum/ Ort : 13.06.2023 in Elxleben, Mühlplan 12

 

Uhrzeit       :  10.00 Uhr bis 16.00 Uhr

 

Referent     : Silvia Koppe, Bildungsforschung, Bildungsberatung  - angefragt

 

 

 

Inhalt:

 

Jede Familie muss für sich entscheiden, wie viele Belastungen sie aushalten können und sie muss rechtzeitig spüren, wann die Beziehung kippt und Verärgerung, Frust oder Trauer die Familie beherrscht.

 

Es muss dabei auf alle Familienmitglieder geschaut werden, insbesondere auch auf Pflegegeschwister.

 

Was kann eine Pflege- oder Adoptivfamilie aushalten, wo sind meine persönlichen Grenzen?.......Was macht es mit meiner Partnerschaft? …..Leiden bzw. verstehen meine leiblichen Kinder?

 

 

 

Diese Familienbildung ist eine überregionale Fortbildung für die Pflege- und Adoptiveltern. Das ist wichtig für den Austausch und der Vernetzung der Teilnehmer.

 

Es muss bei allen das Bewusstsein wachsen, dass nur seelisch starke und selbstreflektierte Eltern eine stabile Pflege- bzw. Adoptivfamilie ausmachen oder sogar die Familie erhalten können.

 

Oft ist man in das Familienleben so intensiv eingetaucht, dass ein stiller Moment, um sich selbst wieder zu finden, oft vergessen oder für nicht nötig gehalten wird.

 

Man ist so in den Alltag eingebunden durch Arztbesuche, Therapien, Schule, Kindergarten, Ergo- und Logopädie und auch bedacht, dass sich das Kind einlebt und sich trotz all seiner Erlebnissen wohl fühlt, dass man sich selbst vergisst.

 

 

 

In der Familienbildung wird die Referentin Frau Koppe, intensiv mit den Teilnehmern arbeiten. Durch das Ausfüllen von Fragebögen und durch Erlebnisberichte der Eltern werden Überlastungssituationen detailliert analysiert und Wege bereitet, diese Überlastung rechtzeitig zu erkennen bzw. Wege zum Gegensteuern gezeigt.

 

 

 

Wo kann ich mir Hilfe holen? Welche Rituale gibt es, um entspannt durch den Tag zu kommen? Darf ich auch mal NEIN sagen?

 

 

 

Dieses Innehalten und Gegensteuern sind enorm wichtig, um stark zu sein, Übertragungen zu vermeiden und, um sich in Ruhe, auf die Eigenheiten der Pflegekinder einlassen zu können. Das bedeutet Erhalt der Familie und positive Energie, um dem Alltag gewachsen zu sein.

 

 

 

 Zielgruppe:   Pflege- und Adoptivfamilien, unmittelbare Angehörige der

 

                       Pflege- und Adoptionsfamilien, alle am Thema Interessierte 

 

 

 

 

 

 

Thema 4        : Leben in der Pflege- und Adoptivfamilie

 

                 „Bedeutung des SPIELENS“

 

     Datum / Ort  : 08.07.2023 Schönstedt bei Weißensee, Lessingplatz 10

 

     Uhrzeit         :  10.00 Uhr bis 16.00 Uhr

 

     Referent       :  Martin EL Assil Hirsch

 

 

 

 

 

Inhalt:

 

Unser Kind spielt nicht! Es baut auf und wieder ab, der Spielvorgang fehlt. Warum ist das Spielen so wichtig?

 

Im Spiel setzen sich Kinder aktiv und intensiv mit sich selbst und ihrer Umwelt auseinander. Das Spiel bietet daher ideale Voraussetzungen für erfolgreiche Lernprozesse in allen Bereichen der kindlichen Entwicklung. Die Kinder entwickeln im Spiel ihre Identität und ihre Persönlichkeit weiter.

 

Beim gemeinsamen Spielen erleben Kinder Nähe und Vertrauen und üben soziales Verhalten ein. Sie lernen, die Folgen ihrer Handlungen für andere kennen, und entwickeln Einfühlungsvermögen, Verständnis für andere und Gemeinschaftsgefühl.

 

Mithilfe von Sprachspielen ist es möglich, den Kindern Sprache und Wortschatz beizubringen, ohne dass sie es bewusst wahrnehmen. Auf diese Weise lernen Kinder neue Worte, Formulierungen und Satzkonstruktionen. Können sich daher besser verständigen und nehmen aktiver am gesellschaftlichen Leben teil.

 

Diese Familienbildung will auf die Wichtigkeit des Spielens hinweisen und Hilfestellung geben, wie man das Spiel begleiten bzw. anleiten kann.

 

Die Familienbildung wird aber zwei Richtungen des „SPIELS“ beleuchten. Einmal, wie kann geholfen werden, dass das Kind das Spiel erlernt und Gefallen daran findet. Aber auch, was kann ich als Eltern aus dem Spielverhalten erkennen und wie deute ich dieses Verhalten.  

 

Wichtig für das Verständnis bei der Traumatisierung von Kindern, ist der Sachverhalt, dass Kinder meist nicht oder wenig über das Erlebte sprechen. Dies tun sie etwa bis zu einem Alter von ca. 14-16 Jahren selten, in Abhängigkeit zum Entwicklungsstand.

 

Aber nicht alle Kinder schweigen über den entsprechenden Vorfall. Es kommt vor, dass Kinder erwähnen, was Ihnen widerfahren ist. Um die Situation jedoch emotional zu verarbeiten, nutzen Sie meist das Spiel. Im allgemeinen Spiel, dem Puppenspiel, im Spiel mit Gleichaltrigen, in Zeichnungen o.ä. werden die Situationen entsprechend nachgespielt oder einzelne Szenen dargestellt. Wenn das Kind größere Ängste oder Zorn verarbeitet, fallen die Spiele oder auch die gemalten Bilder etwas ausgeprägter auf. Die Spiele wiederholen sich entsprechend des Trauma - Schemas, bis im Idealfall eine Lösung im Spiel gefunden wurde. Das Gleiche passiert mit entsprechenden Zeichnungen oder Bildern. Hier können dramatische und besorgniserregende Zeichnungen entstehen. Aus Angst oder Besorgnis unterbrechen die Erzieher, Lehrer oder auch Eltern diese Spiele, teilweise werden die Kinder „bestraft“ für das auffällige Verhalten. Es ist nun eine Gradwanderung einerseits einen Rahmen zu bieten, in dem das Kind „zu Ende spielen“ kann, andererseits dafür zu sorgen, dass das Kind dabei die Regeln des Soziallebens nicht verletzt und andere Kinder nicht zu stark in Mitleidenschaft gezogen bzw. geschützt werden. Hier kommt es nun auf Rahmenbedingungen und das Verhalten der Erwachsenen an.

 

Diese Familienbildung kann einen kleinen Beitrag dazu leisten und sensible für dieses Thema machen. Aufklärung WARUM spielt mein Kind so, ist enorm wichtig, um den Hintergrund der Aktivitäten zu erkennen.

 

Gerade bei Tabu-Themen wie sexueller Missbrauch, wurden die Kinder vom Täter unter Druck gesetzt, meist ist es ein Freund der Familie oder ein Angehöriger, selten der fremde böse Mann mit den Bonbons. Aus diesem Grunde kommt es in diesen Fällen vor, dass Kinder ein schlechtes Gewissen, Angst vor Strafe oder Zurückweisung haben und nicht über die Themen sprechen. Stattdessen nässen sie ein, fallen in frühere Entwicklungsstadien zurück oder agieren aggressiv (teilweise auch hyperaktiv) bzw. haben ein Spielverhalten, was hinterfragt werden muss.

 

Die Familienbildung wird den Teilnehmern vermitteln, dass es schwierig ist, Spielverhalten zu deuten und zu lenken. Aber durch das Kennenlernen von Situationen und durch das Erläutern des Referenten wird diese Fortbildung einen Beitrag zum Verstehen leisten.

 

 

 

Zielgruppe:   Pflege- und Adoptivfamilien, unmittelbare Angehörige der Pflege- und     Adoptionsfamilien, alle am Thema Interessierte 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Thema 5        : Leben in der Pflege- und Adoptivfamilie

 

„Selbstverletzendes Verhalten, Ursachen und Umgang mit diesem   Hilferuf“

 

     Datum / Ort  : 23.09.2023 in Meiningen

 

     Uhrzeit         : 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr

 

     Referent       : Martin EL Assil Hirsch

 

 

 

Inhalt:

 

Sich selbst mit Gegenständen, wie Messer, Scherben oder Rasierklingen zu verletzen, um ein besseres Gefühl zu erlangen, ist eine erschreckende Vorstellung, dennoch Realität.

 

Viele Menschen, die ein psychisches Trauma erlebt haben, sind in dem Konflikt, das Erlebnis entweder zu verleugnen oder es laut auszusprechen. Oft aber schweigen sie aus Angst, dass ihnen nicht geglaubt wird oder sie haben so viele Hilferufe abgesetzt, dass sie aufgegeben haben. Auch das Alter, in der die Traumatisierung passiert ist, spielt bei der Verarbeitung eine große Rolle.

 

Dies hat zur Folge, dass die Geschichte des traumatischen Ereignisses oft nicht verbal auftaucht, sondern als Symptom.

 

 

 

Daraus entwickelt sich für die Familienbildung die Frage: „Was hat Traumatisierung und Vernachlässigung mit dem Symptom der Selbstverletzung zu tun“?

 

 

 

Klären wird die Familienbildung, dass sich unsere Kinder und Jugendliche nicht selbst verletzen würden, wenn sie in der Kindheit oder Jugend kein traumatisches Erlebnis gehabt hätten. Daher soll erklärt werden, was ein Trauma ist, wodurch ein Trauma entstehen kann und welche Auswirkungen ein Trauma auf Betroffene haben kann.

 

Erläutert wird die posttraumatische Belastungsstörung als Folge traumatischer Ereignisse und das ungewollte Wiedererleben von Aspekten des Traumas. Die Betroffenen haben die gleichen sensorischen Eindrücke (z.B. Bilder, Geräusche, Geschmack, Körperempfindungen) und gefühlsmäßigen und körperlichen Reaktionen wie während des Traumas.

 

Ein Säugling ist von der Geburt an genetisch darauf programmiert sich mit seinen Bezugspersonen zu verbinden. Diese sollten zu „Bindungspersonen“ in seinem weiteren Leben werden. Es muss nicht der leibliche Vater oder die leibliche Mutter sein, sondern es können Adoptiveltern, Personen aus Pflegefamilien oder ihm näherstehende Personen sein, die es liebevoll umsorgen. Das Kind wird sich in einer Angstsituation an die Bezugspersonen wenden, um Geborgenheit und Schutz zu suchen.

 

Wenn Kinder in den ersten Lebensjahren über einen längeren Zeitraum traumatische Erfahrungen gemacht haben, entwickeln sie nicht nur eine desorganisierte Bindung, sondern zudem eine Bindungsstörung.

 

Es werden daraufhin andere Verhaltens- und Überlebensstrategien vom Kind entwickelt. Bei dieser Form der Bindungsstörung begeben sich Kinder in ihre eigene innere Welt mit Anzeichen des körperlichen und geistigen Entwicklungsrückständen, stereotypen Bewegungsmustern, die der Selbststimulation dienen, bis hin zu selbstverletzendem Verhalten. Diese Kinder und Jugendlichen haben keine Erwartungen an emotional hilfreiche und verfügbare Beziehungen mehr, so dass sie auf äußere Reize selbst sorgen.

 

Auch wird die Borderline - Störung als eine dissoziative bzw. traumabedingte Störung bezeichnet, die selbstverletzendes Verhalten auslösen kann.

 

Für Menschen mit einer Borderline - Störung sind Grenzen nicht vorhanden oder es sind unklare Grenzen. Selbstverletzendes Verhalten hilft ihnen ihre körperlichen Grenzen wieder zu erfahren. Sie gelten als Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl und unberechenbaren Gefühlen, die nur unbeständige zwischenmenschliche Beziehungen haben. „Ist das so ?“

 

 

 

Der Referent wird hier zum besseren Verständnis Fakten erläutern und auf Fragen der Teilnehmer eingehen.

 

Versteht man die Ursache der Selbstverletzung kann man sich besser in das Kind bzw. den Jugendlichen hineinversetzen und auch Hilfeansätze gezielt überlegen.

 

 

 

Kann ich als Pflege- und Adoptivfamilie besser verstehen, kann das Gefühl der Angst um das Kind und der eigenen Hilflosigkeit in Handeln, Verständnis und Hilfesuche umgewandelt werden.  

 

 

 

 

 

Teilnehmer: 

 

Pflege- und Adoptivfamilien, unmittelbare Angehörige dieser Familien, alle am Thema Interessierte               

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Thema 6      :  Leben in der Pflege- und Adoptivfamilie

 

                     „Verhaltensauffälligkeiten – Folge von    

                      Vernachlässigung, sexuellem Übergriff und

                      traumatischer Erfahrungen“

 

Datum/ Ort :  28.10.2023 in Sömmerda

 

Uhrzeit       :  10.00 Uhr bis 16.00 Uhr

 

Referent     : Martin EL Assil - Hirsch

 

 

 

Inhalt:

 

Da alle Kinder eine Biografie in die Pflegefamilie mitbringen und meist eine Biografie des Überlebenskampfes, der Vernachlässigung und der Gewalterfahrungen sind Übertragungen, Aggression, Dissoziation, Überangepasstheit, regredierendes Verhalten und Abwehr im Alltag präsent.

 

Das sind Schlagwörter, die alle Pflegefamilien kennen und im Alltag erleben und aushalten.

 

 

 

Wir alle werden durch das, was in unseren Genen liegt und was wir auf unserem Lebensweg erfahren haben, zu dem Menschen, der wir sind.

 

So haben manche einen starken Kern, die ihn viel ertragen lassen und andere Menschen zerbrechen schnell und können nicht so viele Differenzen ertragen.

 

Natürlich geht es den Pflegekindern genauso.

 

 

 

Es gehört zu den Symptomen schwer Traumatisierter, dass sie bestimmte Ereignisse nicht mehr einordnen können und sich falsch erinnern. Die posttraumatische Belastungsstörung lässt Ereignisse durcheinandergeraten und manchmal, je nach Alter, in einem anderen Licht erscheinen. Es ist schwer, die Folgen einzuordnen.

 

 

 

Diese Palette der Erfahrungen bringen die Kinder mit in unsere Familie.

 

Können sie sich in die neue Familie integrieren?

 

Können wir damit umgehen, können wir ständig verzeihen?

 

Können wir uns ständig ins Gedächtnis rufen, was sie erlebt haben und deshalb so reagieren, wie wir reagieren müssten?

 

Warum stehlen sie, warum kämpfen sie weiter, warum können sie ihre Geborgenheit nicht immer genießen?

 

Kann ich das meinen leiblichen Kindern zumuten? Leiden sie, wenn ich verzweifle?

 

 

 

Das sind Fragen, die eine Familie im ständigen Alltagsgeschehen, sehr belasten können.

 

 

 

Jeder Familie muss für sich entscheiden, wie viele Belastungen sie aushalten können und sie muss rechtzeitig spüren, wann die Beziehung kippt und Verärgerung, Frust oder Trauer die Familie beherrscht.

 

 

 

Ein ganz lockeres, freundliches Gespräch kann zur plötzlichen Eskalation führen.

 

Ratlosigkeit, Betroffenheit, manchmal Trauer und Frust bleibt als bitterer Beigeschmack.

 

Wie kann ich solche Übertragungen vermeiden? Kann ich sie überhaupt vermeiden?

 

Wie kann ich frühzeitig die Anzeichen erkennen und wie deute ich Mimik und Gestik?

 

 

 

In dieser Familienbildung wir erklärt, warum Kinder mit traumatischen Erlebnissen, in unserer Familie solche Verhaltensauffälligkeiten zeigen und warum sie „nicht anders können“.

 

 

 

Stehlen, nicht Achten von Werten und ständiges Kaputtmachen – was geht in den Kindern vor und warum können sie es nicht oder kaum aushalten, bis sie wieder einen neuen Wunsch erfüllt bekommen, obwohl das letzte Geschenk nicht lange her ist – vielleicht auch erst am Vortag war?

 

 

 

Oft hört man den Satz: „Das Taschengeld brennt ein Loch in die Hose, darum muss es sofort ausgegeben werden.“

 

Hier geht es um das Verstehen der sofortigen Bedürfnisregulierung bzw. das Erleben eines Kaufrausches, der beim Bezahlen an der Kasse -trotz monatelangem Wunsch- schon weg sein kann.

 

 

 

Vernachlässigte Kinder können schwer verstehen, auch schwer nachvollziehen und besonders schwer glauben, dass der Kühlschrank morgen auch voll ist und die regelmäßigen Mahlzeiten abgesichert werden. 

 

 

 

Misshandelte Kinder erlebten nicht selten Geschenke zur „Wiedergutmachung“ und fordern daher die Eskalation in der Pflegefamilie zur materiellen Befriedigung der eigenen Bedürfnisse.

 

Du hast mich angeschrien….. bestraft…..jetzt schenke mir……sonst nehme ich dir übel….. 

 

 

 

Um all diese Auffälligkeiten zu verstehen und auch ertragen zu können, wird der Referent praktische Beispiele darstellen und die Teilnehmer werden u.a. in Rollenspielen und Arbeitsgruppen nach Lösungsansätzen suchen.

 

 

 

Es werden praktische Tipps, Rituale und Alltagsregeln vorgestellt, die sich im Alltagsleben bewähren. Durch diese Rituale und Regeln können die Kinder eine Sicherheit in ihrem Leben erlangen und dadurch die Ruhe für den Beziehungsaufbau bekommen.

 

 

 

Es gibt Ratschläge für das Spielen, gemeinsame Naturerlebnisse, gemeinsames Kochen und das Ritual des Essens. Aber auch Tipps für die Gestaltung eines Streitgespräches oder eines „sich erst einmal aus dem Weg gehen“.